Verlorene Mitte? – Pressemitteilung vom 06.10.2020

Bad Nauheim. Ausgehend von der Bad Nauheimer Gedenkveranstaltung für George Floyd am 13. Juni 2020 hatten sich Mitglieder des Internationalen Clubs Bad Nauheim (ICBN) und des gemeinnützigen Vereins Interkulturelle Kompetenz und Integration (IKI) zusammengeschlossen, um sich auf lokaler Ebene mit den Themen „Rassismus“, „Fremdenfeindlichkeit“ und „Ausgrenzung“ zu beschäftigen. Jetzt lädt die Abeitsgemeinschaft “Gegen Rassismus! Für Respekt!“ ein zu ihrer ersten Veranstaltung: Am Freitag, 16. Oktober 2020, wird Prof. Dr. Andreas Zick ab 19.30 Uhr in der Trinkkuranlage Bad Nauheim über die „Verlorene Mitte?“ sprechen und dabei auch einen Blick auf die Möglichkeiten einer würdevolleren Zukunft wagen. Die Zahl der Plätze ist begrenzt, eine Anmeldung an [email protected] zwingend erforderlich.

„Der Anschlag auf die Synagoge von Halle zu Jom Kippur 2019, der Anschlag von Hanau im Februar 2020, der Angriff auf einen jüdischen Studenten in Hamburg am 4. Oktober 2020… Auch bei uns gibt es antisemitisch, rassistisch und / oder fremdenfeindlich motivierte Ereignisse, die uns sprachlos machen, die uns entsetzt, fassungslos, ratlos stillstehen lassen“, erläuterte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Dr. Ulrich Becke. Auch wenn der unmittelbare Anlass für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft das Gedenken an George Floyd gewesen sei, stehe doch das unmittelbare Umfeld im Fokus ihrer Arbeit.

„Wir fragen uns: Worin wurzelt unsere Angst vor dem Unbekannten? Woraus resultiert unser Bedürfnis, uns ‚nach außen‘ zusammenzuschließen? Wieviel Rassismus steckt in jedem / in jeder von uns, ohne dass wir dies wissen, geschweige denn wollen? Was müssen wir tun, um uns selbst für unser eigenes Verhalten zu sensibilisieren? Bereits unsere ersten Diskussionen haben uns gezeigt, wie komplex das Thema ist. Es gibt viele neue Fragen, aber keine einfachen Antworten“, so Dr. Becke weiter. Sicher sei allerdings, dass man sich zunächst mit den Wurzeln von Menschen- und Fremdenfeindlichkeit beschäftigen müsse, bevor man Lösungsansätze entwickeln könne.

Mit Prof. Zick, Leiter des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld, habe man einen Referenten gefunden, der fundiert und differenziert über seine „Studien zu menschenfeindlichen und rechtsextremen Orientierungen in der deutschen Gesellschaft“ berichten könne. „Wir erhoffen uns davon wichtige Impulse für unsere weitere Arbeit und sehen darin vor allem auch eine gute Chance, eine breitere Öffentlichkeit in die Auseinandersetzung mit den Themen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzubeziehen“, betonte Dr. Becke. Im Zuge der erforderlichen Anmeldung (unter Angabe von Postanschrift und Telefonnummer) können deshalb auch Fragen eingesandt werden für die an den Vortrag anschließende Diskussion, die von dem Frankfurter Journalisten Jens Joachim moderiert werden wird. Bürgermeister Klaus Kreß wird ein Grußwort sprechen. Das Ende der Veranstaltung ist für 21.30 Uhr angesetzt.